Die aktuellen Speicherfüllstände reichen mittlerweile selbst bei extrem kalten Temperaturen für eine vollständige Versorgung bis zum Ende des Winters aus. Der Blick richtet sich nun auf die Wiederbefüllung der Gasspeicher im Sommer 2026. Die geopolitische Situation und stark gestiegene Gaspreise haben den Sommer-Winter-Spread ins Negative gedreht. Ökonomische Anreize zur Einspeicherung fehlen dem Markt derzeit vollständig. INES fordert deshalb eine Debatte zur Sicherung der Speicherbefüllung.
Berlin, 17. März 2026 – Die aktuellen Modellrechnungen der INES-Gas-Szenarien zeigen, dass die derzeitigen Speicherfüllstände selbst bei extrem kalten Temperaturen ausreichen, um die Gasversorgung bis zum Ende der Heizperiode sicherzustellen. Damit verschiebt sich der Fokus zunehmend auf die Wiederbefüllung der Gasspeicher für den kommenden Winter 2026/2027.
Die Modellrechnungen bilden ausschließlich die technischen Möglichkeiten des Gassystems ab. Unter diesen technischen Annahmen wäre eine Wiederbefüllung der Speicher im Sommer 2026 in Höhe des Buchungsstands vom Vorjahr (d.h. 81% zum 1. November) theoretisch möglich. Die aktuellen Marktrealitäten unterscheiden sich jedoch deutlich von den technischen Modellannahmen.
Vor diesem Hintergrund kann der tatsächliche Füllstandsverlauf erheblich von den technischen Möglichkeiten der Speicherbefüllung abweichen. Die INES‑Gas‑Szenarien verdeutlichen daher in erster Linie die technische Leistungsfähigkeit des Gassystems – nicht jedoch die derzeitigen marktlichen Rahmenbedingungen für eine Wiederbefüllung der Speicher.
SOMMER 2026: FEHLENDE MARKTANREIZE ERSCHWEREN SPEICHERBEFÜLLUNG
Vor dem Hintergrund der derzeitigen Entwicklungen auf den internationalen Gasmärkten wird die Wiederbefüllung der Gasspeicher in diesem Jahr eine außergewöhnlich große Herausforderung darstellen.
Die Schließung der Straße von Hormus führt zwar nicht unmittelbar zu technischen Einschränkungen für die Gasversorgung Europas oder für die Befüllung der Speicher in Deutschland. Sie hat jedoch zu erheblichen Preissteigerungen auf den globalen LNG-Märkten geführt. Der daraus resultierende Bieterwettbewerb zwischen Asien und Europa treibt die Preise nach oben.
In der Folge hat sich der saisonale Sommer-Winter-Spread ins Negative gedreht. Gas ist für den kommenden Winter derzeit günstiger als für den Sommer verfügbar. Damit fehlen dem Markt derzeit jegliche ökonomischen Anreize zur Einspeicherung von Gas in die Speicher.
Vor dem Hintergrund der historisch niedrigen Ausgangsfüllstände stellt dies ein erhebliches Risiko für die Vorbereitung der kommenden Winterversorgung dar.
NEGATIVER SOMMER-WINTER-SPREAD ZEIGT REFORMBEDARF
Die aktuellen Marktentwicklungen zeigen erneut die strukturellen Schwächen der bestehenden Rahmenbedingungen für die Speicherbefüllung.
Nach Einschätzung vieler Marktakteure haben insbesondere die bisherigen Füllstandsvorgaben und die damit verbundenen Marktverzerrungen die Preisbildung verändert und die Anreize zur Einspeicherung deutlich reduziert. Der derzeit negative Sommer-Winter-Spread zeigt zudem, dass auch externe geopolitische Schocks die Marktanreize in kürzester Zeit vollständig aushebeln können.
Vor diesem Hintergrund stellt sich zunehmend die Frage, wie geeignete Rahmenbedingungen für die Speicherbefüllung künftig ausgestaltet werden müssen, um die Gasversorgungssicherheit zuverlässig zu gewährleisten.
Gleichzeitig zeigt der europäische Vergleich, dass geeignete politische Rahmenbedingungen die Speicherbewirtschaftung deutlich stabilisieren können. Harmonisierte Regeln im EU-Binnenmarkt sind daher ein wichtiger Baustein, um Wettbewerbsnachteile für deutsche Speicher zu vermeiden.
INES: RESILIENZRESERVE UND DISKUSSION ZU MARKTRAHMEN NOTWENDIG
Sebastian Heinermann, Geschäftsführer von INES, kommentiert:
„Die Versorgung für den restlichen Winter ist gesichert. Die eigentliche Herausforderung liegt jetzt vor uns – bei der Wiederbefüllung der Speicher für den kommenden Winter. Der negative Sommer-Winter-Spread zeigt deutlich, dass dem Markt derzeit jeglicher ökonomischer Anreiz zur Einspeicherung genommen worden ist.
Der Status quo ist nicht tragfähig – bestehende Mechanismen sichern die Gasversorgungssicherheit nicht ausreichend ab, weil die Anreize zur Befüllung der Gasspeicher unzureichend sind. Der gesetzliche und regulatorische Rahmen muss weiterentwickelt werden, indem verbesserte Instrumente implementiert werden.“
„Sollte der Staat den Aufbau einer strategischen Reserve als ein Instrument ins Auge fassen, empfehlen wir eine Dimensionierung von rund 78 TWh. Mit einer solchen Reserve könnten exogene Schocks - wie zum Beispiel ein Ausfall norwegischer Importpipelines - über 90 Tage ausgeglichen werden. Wichtig ist dabei ein gestufter Aufbau, der den Marktakteuren Zeit zur Anpassung gibt und gleichzeitig extreme Preisspekulationen verhindert.“
Quelle: https://energien-speichern.de/ines-gas-szenarien-gasversorgung-fuer-restwinter-gesichert-wiederbefuellung-wird-zur-zentralen-herausforderung/